Unter »Friendly fire«?

Aus der Tageszeitung Die junge Welt, von Raoul Wilsterer, 23.Aug. 2008.

Der Kampf um die Vorherrschaft über Afghanistan hält unvermindert an. Am Freitag beklagten die ausländischen Besatzer erneut Opfer: Insgesamt starben seit Mittwoch sieben Soldaten, darunter drei Polen und drei Kanadier, bei Angriffen oder Anschlägen von Aufständischen. Zudem wurden am Freitag drei Italiener verwundet. Bereits zu Wochenbeginn hatte die »Schutztruppe« ISAF zehn ihrer französischen Mitglieder verloren.


Ob die Franzosen allerdings Opfer von mutmaßlichen Taliban-Rebellen im Bezirk Suobi etwa 50 Kilometer von Kabul entfernt wurden oder unter Beschuß oder Bombardement der westlichen Verbündeten starben, blieb am Freitag weiter ungeklärt. Offensichtlich scheut sich das Oberkommando in Kabul, diesbezüglich konkrete Nachforschungen zu unternehmen. Trotzdem dementierten sowohl die ISAF als auch Frankreichs Verteidigungsminister Hervé Morin einen Bericht der konservativen Tageszeitung Le Monde vom Donnerstag. Darin hatten sich einige der am Montag verletzten Soldaten über »mangelnde Professionalität« beklagt, insbesondere »die Langsamkeit der Reaktion des Kommandos und schwerwiegende Koordinationsprobleme«.

Die Franzosen waren demzufolge in einen Hinterhalt geraten und hätten, trotz mehrfacher Anforderung von »Entlastung« an einem Bergpaß »vier Stunden ohne Verstärkung« auskommen müssen. Die Verletzten berichteten zudem, daß die später erfolgten Luftangriffe der angeforderten NATO-Kampfflugzeuge ihr Ziel verfehlt und statt dessen französische Soldaten getroffen hätten. Die als Verstärkung angerückten Soldaten der ihnen verbundenen afghanischen Regierungsarmee hätten schließlich nicht die angreifenden Aufständischen attackiert, sondern die Eingekesselten unter »Friendly fire« genommen …

… Außerdem sollen nach Angaben aus der afghanischen Hauptstadt elf weitere, als »Taliban« bezeichnete Menschen im Süden des Landes getötet worden sein. Ob die täglichen Besatzerberichte über massive Verluste des Gegners zutreffen, bleibt wegen ihrer Unüberprüfbarkeit offen. Zumindest nimmt der afghanische Widerstand weiter zu. (Ganzer Text).

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